Commerce
7 Min. Lesezeit
Juni 2023
Shopify vs. Shopware: Was dir gehört — und was nicht
Die meisten Plattform-Vergleiche reden über Features und Preise. Die wichtigste Frage — wem gehört eigentlich was — bleibt fast immer unbeantwortet.
Christopher Schaller
schaller.work
Ich hab in Mandaten beide Plattformen begleitet — Shopify-Migrationen, Shopware-Aufbauten, Wechsel von einer zur anderen. Die Frage nach Features entscheidet sich relativ schnell. Die Frage nach Eigentümerschaft wird fast nie gestellt. Das ist der Fehler.
Shopify ist ein Mietmodell. Du mietest die Plattform, du mietest die Infrastruktur, du mietest die Checkout-Logik. Der Shop sieht aus wie deiner. Er läuft auf Shopifys Servern. Wenn Shopify die Preise erhöht, bist du dabei. Wenn Shopify ein Feature entfernt, bist du betroffen. Wenn Shopify die Payment-Konditionen ändert, zahlt du es.
Shopware Community Edition ist Open Source. Du kaufst keine Lizenz — du nutzt den Code. Du besitzt ihn. Du betreibst ihn auf deiner Infrastruktur. Wenn Shopware AG morgen aufhört zu existieren, läuft dein Shop weiter. Das ist der fundamentale Unterschied — und er wird in Vergleichsartikeln fast nie benannt.
01 — Das Modell
Was Shopify ist — und was es nicht ist
Shopify ist eine Miete, kein Kauf. Du mietest die Plattform. Monatliche Grundgebühr. Transaktionsgebühr wenn du nicht Shopify Payments nutzt — je nach Plan zwischen 0,5 und 2 Prozent pro Transaktion zusätzlich. App-Abonnements für die meisten fortgeschrittenen Funktionen. Und ein Theme das nach deiner Marke aussieht — aber auf Shopifys Servern läuft.
Ich vergleiche das gern mit Mieten vs. Kaufen — ohne Mietrecht. Beim Mieten einer Wohnung gibt es Kündigungsschutz, Mietpreisbindung, klare Rechte für Mieter. Bei Shopify gibt es Terms of Service, die Shopify einseitig ändern kann. Was das in der Praxis bedeutet: Shopify hat die Preise mehrfach erhöht. Nutzer hatten keine Verhandlungsmacht. Sie hatten die Wahl zwischen zahlen und wechseln — und Wechseln ist aufwendig. By design.
„Das sagt dir keine Agentur, die Shopify-Partnergebühren bekommt: Lock-in ist kein Nebeneffekt von Shopify. Er ist ein Feature.“
Aus aktiven Mandaten — Shopify-Migrationsanalysen
Das ist keine Verurteilung von Shopify. Shopify ist ein gutes Produkt. Es ist schnell, es ist stabil, es hat ein riesiges App-Ökosystem. Aber es ist ein Mietmodell. Und wer das nicht weiß wenn er unterschreibt, merkt es erst wenn der Vermieter die Konditionen ändert.
02 — Die Governance-Risiken
Was du mit Shopify nicht kontrollierst
Pricing
Shopify hat die Preise mehrfach erhöht. Du hast keine Verhandlungsmacht. Du hast keine Vertragsbindung die dich schützt. Du kannst zahlen oder wechseln — wobei Wechseln ein erhebliches Projekt ist.
Feature-Entfernung
Shopify hat Features mit kurzer Ankündigung entfernt. Apps die die Lücke gefüllt haben, sind verschwunden. Dein Workflow, der auf einem bestimmten Feature oder einer bestimmten App basiert, kann über Nacht obsolet sein.
Payment Processing
Shopify Payments ist bevorzugt. Wenn du einen externen Payment Provider nutzt, zahlst du zusätzlich — je nach Plan zwischen 0,5 und 2 Prozent pro Transaktion. Bei 500.000 Euro Jahresumsatz sind das 2.500 bis 10.000 Euro jährlich, die direkt an Shopify fließen — für nichts außer die Wahl deines Payment Providers.
Datensouveränität
Deine Produkt-, Kunden- und Bestelldaten liegen in Shopifys Datenbank. Du kannst sie exportieren. Aber die Struktur, die Custom-Felder, die App-Daten: die sind Shopify-spezifisch. DSGVO-Konformität ist Shopifys Verantwortung — aber wenn es eine Data Breach gibt, hast du begrenzte Kontrollmöglichkeiten.
03 — Die Alternative
Was Shopware bietet — und warum Eigentümerschaft zählt
Shopware Community Edition ist Open Source. Du besitzt den Code. Du betreibst ihn auf deiner Infrastruktur — ob eigener Server, Managed Hosting oder Cloud ist deine Entscheidung. Keine Transaktionsgebühren außer denen deines Payment Providers. Keine monatliche Lizenzgebühr. Kein Anbieter der die Preise erhöhen kann.
Das ist der entscheidende Unterschied: bei Shopware bist du Eigentümer. Bei Shopify bist du Mieter. Wenn Shopware AG morgen aufhört zu existieren — dein Shop läuft weiter. Der Code ist auf deinem Server. Du hast ihn. Das klingt abstrakt, bis der Moment kommt wo es konkret wird.
Shopware Community Edition
- Open Source — Code gehört dir
- Eigene Infrastruktur
- Keine Transaktionsgebühren
- Alles anpassbar
- Anbieter-unabhängig
Shopify Basic/Advanced
- SaaS — Code gehört Shopify
- Shopify-Infrastruktur
- Transaktionsgebühren möglich
- Sandbox-Anpassungen
- Anbieter-abhängig
Shopware ist im DACH-Markt stark verwurzelt: das Ökosystem aus Agenturen, Extensions und Community ist Deutschland-zentriert. Das bedeutet: kürzere Wege für Support, mehr Entwickler die Shopware kennen, Extensions die DSGVO und deutsche Marktanforderungen von Haus aus berücksichtigen.
04 — Die Entscheidungshilfe
Wann Shopify — wann Shopware
Shopify sinnvoll wenn
Early Stage, knappes Budget, keine Entwicklerressourcen vorhanden
Reiner D2C-Vertrieb, keine komplexen B2B-Anforderungen
Time-to-Market ist absolute Priorität
Internationale Expansion mit Multi-Currency als Hauptfokus
Dedicated Shopify-Agentur vorhanden und Lock-in akzeptiert
Shopware sinnvoll wenn
Komplexes B2B-Pricing: kundenspezifische Preise, Freigabe-Workflows
Multi-Store, Multi-Language-Architekturen
Tiefe ERP-Integration als Kernanforderung
Datensouveränität und langfristige Kostenkontrolle wichtig
DACH-Markt mit deutschen Compliance-Anforderungen
05 — Die versteckten Kosten
Was Shopify wirklich kostet — und was Shopware wirklich kostet
Ich hab das mit Kunden durchgerechnet. Das Ergebnis ist regelmäßig überraschend.
Shopify Basic Plan: 29 Euro im Monat. Klingt günstig. Aber für einen echten Shop mit B2B-Funktionen, Abo-Verwaltung, erweiterten Reporting-Funktionen und professionellem Theme brauchst du Apps. 3 bis 5 App-Abonnements zu je 20 bis 80 Euro monatlich sind Standard. Dazu Transaktionsgebühren wenn du nicht Shopify Payments nutzt. Dazu Theme-Anpassungen die bei Shopware einmalig und bei Shopify regelmäßig anfallen weil Theme-Updates deine Anpassungen überschreiben.
Beispielrechnung: 500.000 Euro Jahresumsatz
Shopify (reale Kosten)
Shopify Advanced: 299 €/Mo.
Apps (4 × 40 €/Mo.): 160 €/Mo.
Theme + Dev. (anteilig): ~80 €/Mo.
~18.000 €/Jahr
Shopware vergleichbar
Hosting: 80–120 €/Mo.
Extensions (2–3): 30–60 €/Mo.
Dev. Wartung (anteilig): ~70 €/Mo.
~8.000 €/Jahr
Bei 500.000 Euro Jahresumsatz: die tatsächlichen Shopify-Kosten lagen in meinen Analysen bei rund 18.000 Euro im Jahr. Vergleichbares Shopware-Setup: rund 8.000 Euro. Die Differenz von 10.000 Euro jährlich ist kein Argument gegen Shopify — aber sie sollte bekannt sein bevor die Entscheidung fällt.
Das Wichtigste in Kürze
Shopify ist Miete. Shopware ist Eigentum. Das ist die wichtigste Unterscheidung — und sie fehlt in fast jedem Plattform-Vergleich.
Shopify-Lock-in ist kein Nebeneffekt — er ist by design. Wechsel ist möglich aber aufwendig. Das sollte beim Einstieg bekannt sein.
Die realen Shopify-Kosten sind bei mittelständischen Shops oft 2 bis 3 Mal höher als der Grundplan vermuten lässt. Apps, Transaktionsgebühren, Theme-Dev: die stehen nicht auf der Preisseite.
Für D2C klein und schnell: Shopify. Für Wachstum mit B2B, Multi-Store, komplexem Pricing und Datensouveränität: Shopware. Für Multichannel mit PIM-Bedarf: Shopware + Pimcore.
Wenn dir deine Shopify-Agentur noch nie erklärt hat was genau dir gehört — das ist eine Frage die du stellen solltest. Vor dem nächsten Jahresvertrag.
Häufige Fragen
FAQ
Kann ich von Shopify zu Shopware wechseln?
Ja. Aber plane 3 bis 4 Monate und ein substantielles Projekt. Produkt- und Kundendaten migrieren ist machbar. Custom-Logik muss neu gebaut werden. Je mehr Shopify-spezifische Apps du im Einsatz hast, desto aufwendiger die Migration.
Brauche ich für Shopware immer einen Entwickler?
Für den Betrieb: nein. Für Anpassungen: ja, aber oft nur gelegentlich. Shopware 6 hat einen guten Admin-Bereich für tägliche Aufgaben. Komplex wird’s bei Sonderanforderungen — B2B-Pricing-Logik, Custom Workflows, tiefe ERP-Integration.
Was ist mit Shopify Plus für Enterprise?
Besser als Shopify Standard — aber das Governance-Problem bleibt. Du mietest auf einem höheren Level. Die Grundfrage nach Eigentümerschaft ändert sich nicht. Shopify Plus gibt dir mehr Anpassungsmöglichkeiten, aber keine Daten-Souveränität und keine Ausstiegsoption ohne erheblichen Aufwand.
Welche Plattform empfiehlst du generell?
Kommt auf das Geschäftsmodell an. Für Pure-D2C klein und schnell: Shopify. Für Wachstum mit B2B, Multi-Store, komplexem Pricing: Shopware. Für Multichannel Commerce mit PIM-Bedarf: Shopware + Pimcore. Wer langfristig Daten-Souveränität will, kommt an Open Source nicht vorbei.
Autor
Christopher Schaller
Commerce-Strategie und Plattform-Entscheidungen — Shopify- und Shopware-Projekte aus aktiven Mandaten.
schaller.work
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Wenn du noch nicht entschieden hast — oder dir nicht sicher bist ob die aktuelle Plattform langfristig passt — ich schaue mir das konkret an.
info@schaller.work