Strategie

7 Min. Lesezeit

Oktober 2022

Warum ich den Konzern verlassen hab — und was ich dabei gelernt habe

Das ist kein Abrechungspost und kein Motivationstext. Es ist eine ehrliche Einschätzung — was mich dazu gebracht hat, nach Jahren im Konzern den Schritt zu machen, und was ich seither gelernt habe.

CS

Christopher Schaller

schaller.work

Ich hatte eine gute Stelle. Gutes Gehalt. Echte Verantwortung in globalem Strategie-Marketing — Hospital Care, Critical Care, 50.000-Personen-Organisation. Und irgendwann das Gefühl: ich bin ein kleines Rädchen in einem Riesentanker.

Nicht weil der Tanker schlecht war. Nicht weil die Menschen darin schlecht waren. Sondern weil ein Konzern dieser Größenordnung andere Physik hat als ein 5-Personen-Team. Das ist keine Kritik — das ist ein Naturgesetz. Mir hat es jahrelang gedauert, den Unterschied klar zu benennen.

Oktober 2022, schaller.work. Keine dramatische Kündigung, kein Burnout-Moment, keine Epiphanie. Eine durchdachte Entscheidung — die sich jahrelang angebahnt hat und dann irgendwann einfach fällig war.

01 — Wo es anfing

Das Innovationslabor — und was es mir gezeigt hat

Irgendwann bekam ich die Möglichkeit, im Innovationslabor des Unternehmens mitzuarbeiten. CEO und CFO als direkte Sponsoren. Agile Teams, Startup-Methoden, echte Energie. Endlich Dinge bauen statt nur koordinieren. Ich war dabei, weil ich wollte — nicht weil ich musste.

Und dann kam die Realität. Jede gute Idee lief in SAP-Anforderungen rein. Globale Prozessmandate. Beschaffungsregeln. „Wir müssen das zuerst mit IT koordinieren.“ Die agilen Ideen waren gut. Das System war nicht für sie gebaut. Nicht weil die Leute schlecht waren — sondern weil eine 50.000-Personen-Organisation anders bewegt als ein 5-Personen-Team. Das ist Physik, keine Schuldfrage.

Ich hab das selbst erlebt: Du kommst morgens rein mit einer klaren Idee. Du gehst abends raus mit 3 offenen Abstimmungsschleifen, 1 Eskalation und dem Bewusstsein, dass die eigentliche Entscheidung in 6 Wochen in einem Committee fallen wird. Nicht ins richtige Tun kommen — das war mein Alltag.

„Die Leute waren gut. Die Ideen waren gut. Nur das System war nicht gebaut um schnell zu sein — und das lässt sich nicht wegcoachen.“

Meine Erfahrung aus dem Innovationslabor

02 — Die Administrationsfalle

E-Business global — wenn wichtige Arbeit trotzdem nicht befriedigt

Parallel dazu übernahm ich die Rolle als E-Business Coordinator. Verantwortlich für den globalen Aufbau von B2B-Shops. SAP PIM koordinieren. Ländergesellschaften einbinden. Daten, Prozesse, Rollouts. Wichtige Arbeit — das war mir klar.

Aber ich merkte: Ich koordiniere mehr als ich baue. Ich dokumentiere mehr als ich entscheide. Ich bin zunehmend Administrator — nicht Gestalter. Das Organigramm sagt „Verantwortung“. Die Realität sagt: Abstimmungsgespräch Nummer 14 diese Woche, 3 davon mit denselben Teilnehmern, wieder ohne Ergebnis.

In meiner Erfahrung ist das kein Einzelfall. Es ist das Muster vieler guter Leute in großen Strukturen: Sie kommen rein um etwas zu bewegen. Sie landen in einem System das Bewegung verlangsamt. Nicht aus Böswilligkeit — sondern weil Koordination auf dieser Skala das einfach braucht.

Was ich erwartet hatte

Aufbauen. Entscheiden. Ergebnisse sehen. Den globalen Rollout treiben und dabei etwas lernen, das zählt.

Was ich bekam

Abstimmung, Dokumentation, Eskalation. Wertvolle Arbeit — aber nicht die Arbeit, die mich antreibt.

03 — Die eigentliche Erkenntnis

Nicht frustriert von den Menschen — frustriert von der Struktur

Das dauerte eine Weile um klar zu sehen: Ich war nicht frustriert von den Menschen. Ich kannte exzellente Kolleginnen und Kollegen — kluge, motivierte Leute, die genauso gegen die Struktur ankämpften wie ich. Die Frustration war systemisch, nicht personal.

Ein Konzern ist kein schlechter Ort. Er ist nur ein falscher Ort für jemanden der Dinge bewegen will — der die direkte Linie zwischen Entscheidung und Ergebnis braucht, nicht die 14-Schritte-Abstimmungsschleife dazwischen.

„Ich weiß nicht ob das die richtige Entscheidung war. Aber nach 2 Jahren weiß ich: es war meine.“

04 — Was ich mitgenommen habe

Was der Konzern mir gegeben hat — das ich heute täglich einsetze

01

Wie große Organisationen wirklich funktionieren

Nicht wie sie im Organigramm beschrieben werden. Sondern wie Entscheidungen wirklich getroffen werden — wer die formale Autorität hat, wer die faktische, wer blocken kann und warum. Das Wissen hilft mir heute, meinen Kunden zu sagen wo die echte Reibung liegt. Nicht wo sie auf dem Papier liegen sollte.

02

Globale digitale Transformation — was funktioniert und was nicht

Ich hab Digitalprojekte von innen gesehen — von der ersten Idee bis zum Scheitern nach 18 Monaten Projektlaufzeit. Das gibt mir eine Einschätzung, die kein externer Berater aus Sekundärquellen entwickeln kann. Ich weiß wo die Lücke zwischen Versprechen und Realität liegt. Und ich sage es.

03

Amazon und Commerce — parallel aufgebaut

Das Amazon-Wissen habe ich nicht im Konzern entwickelt — sondern parallel dazu. Eigenmarken, Vendor Central, Advertising. Das war mein Labor neben der Konzernarbeit. Heute ist es 1 der 3 Kernthemen von schaller.work. Nicht aus Theorie — aus Praxis mit eigenem Geld.

04

Wann man pushes und wann der Widerstand strukturell ist

Das ist vielleicht das Wertvollste. Zu erkennen ob ein „Nein“ personal ist — oder ob eine 50.000-Personen-Maschine gerade nach Physiologie reagiert. Diese Unterscheidung spart meinen Kunden heute viele Nerven. Und manchmal viel Geld.

05 — Was schaller.work ist

Kein Beratungshaus. Kein Agentur-Betrieb. Ein Sparringpartner.

Ich hab bei der Gründung bewusst entschieden was schaller.work nicht sein soll: kein klassisches Beratungsunternehmen das Strategie-Decks produziert und dann geht. Keine Agentur die auf Retainer-Basis Headlines liefert. Kein Anbieter der bei jedem Pitch-Meeting sagt „wir finden die passende Lösung“ — und dann dasselbe Framework zum dritten Mal rauszieht.

Was ich anbiete: Jemanden der drinnen war. Der den Unterschied zwischen dem Pitch und der Realität kennt. Der die unbequemen Fragen zuerst stellt — und nicht erst nach dem Briefing. Kein Buzzwörter zurufen. Keine Schaumschlägerei. Sondern: Was ist wirklich los, was ist das eigentliche Problem, und was lohnt sich anzugehen?

Es muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Das gilt für meine Arbeit mit Kunden genauso wie für die Entscheidung, den Konzern zu verlassen. Ich hatte aufgehört mir selbst zu schmecken.

Häufige Fragen

FAQ

Warum jetzt?

Weil es nicht besser wird wenn man länger wartet. Der richtige Zeitpunkt kommt nicht von selbst — irgendwann muss man ihn selbst setzen.

Was macht schaller.work konkret?

Sparring, Strategie, Amazon, Commerce, Marke. Für Mittelstand der ehrliche Einschätzungen braucht, keine Pitch-Decks.

Arbeitest du allein?

Nein. Ich hab ein Team — Florian für Gestaltung, Patricia für Content, Spezialisten für Technik. Aber du hast immer mich als Ansprechpartner.

Was hast du im Konzern gelernt das du jetzt einsetzt?

Vor allem: wie Entscheidungen wirklich getroffen werden. Nicht wie es im Organigramm steht. Und warum gute Ideen in großen Strukturen oft nicht scheitern — sondern einfach nie ins richtige Tun kommen.

Autor

CS

Christopher Schaller

Gründer schaller.work. Strategie, Amazon, Commerce — aus aktiver Mandatsarbeit, nicht aus dem Lehrbuch.

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Wenn du jemanden suchst der die Situation einschätzt statt ein Konzept zu verkaufen — schreib mir. Alles was ich anbiete kommt aus aktiver Mandatsarbeit.

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